In diesem Jahr fand das Projekt vom 28. März bis zum 26. April in fünf Städten statt: Moskau, Armawir, Tomsk, Abakan, Tjumen.

JdR-Labor brachte außerdem am 16. Mai zahlreiche Jugendklubleiter und Aktivisten zu einem Online-Treffen zusammen, das dem Thema „Öffentliches Reden“ gewidmet war.
Jeder Jugendklub wählte ein wichtiges Thema, das die Schwerpunkte seiner lokalen Aktivitäten widerspiegelte. Erfahrene Referenten führten die Teilnehmer dadurch: Geschichte der Russlanddeutschen; Bewahrung des historischen Gedächtnisses; historische und persönliche Identität der Russlanddeutschen; Führung und Kommunikation; Architektur der Russlanddeutschen: Geschichte und Kultur. Es ist kein Zufall, dass dieser Artikel mit dem Wort „Inspiration“ beginnt. Genau dieses Gefühl beschreibt das Ende des JdR-Labors. Ebenso empfanden es die Gutachter nach zwei Tagen mit den engagierten und aktiven Teilnehmern. Die Experten teilten ihre Erfahrungen und ihr Wissen und inspirierten die Aktivisten zu weiteren Entdeckungen. Nun werden die Jugendklubs ihre Arbeit in ihren Regionen fortsetzen.
Erinnern wir uns daran, wie das „JdR-Labor 2026“ in den einzelnen Städten verlaufen ist.

Das Projekt startete in der Hauptstadt Russlands mit dem JdR-Labor, das am 28. und 29. März in Moskau stattfand. Im Laufe von zwei Tagen tauchten die Teilnehmer in die Geschichte der Russlanddeutschen ein, lernten wichtige Epochen und Ereignisse in der Geschichte der Russlanddeutschen kennen und wandelten sogar auf den Spuren der Russlanddeutschen in Moskau.
Der Referent, Geschichtslehrer Egor Dogorow, erklärt: „Das historische Material aus dem Treffen und dem Spaziergang bildet die Grundlage für praktische Übungen zur Selbstverwirklichung und zum Eintauchen in die Wurzeln der russlanddeutschen Kultur mit ihrem einzigartigen und unverwechselbaren Zweig, der in Russland erhalten geblieben ist.“

Die nächste Stadt war Armawir. Die Aktivisten des Jugendklubs wählten, wie ihre Kollegen in Moskau, das wichtige Thema „Bewahrung des historischen Gedächtnisses“. In den von Referenten Alexej Buller geleiteten Treffen lernten die Teilnehmer nicht nur die Geschichte der Russlanddeutschen kennen, sondern erforschten auch die Ursachen und Wirkungszusammenhänge und verstanden, wie die Geschichte des Landes die Familiengeschichte jedes Einzelnen beeinflusst hatte. Es war mehr als nur ein Gespräch – es war eine wirklich praxisnahe Erfahrung.
Die Treffen des Klubs für Freunde der deutschen Sprache waren anregend und lebhaft. Man sprach über den Frühling und natürlich über Ostern und seine Symbole, da einer der Projekttage auf diesen Feiertag fiel.
„Ich mag kreative Ansätze, deshalb wurde den Teilnehmern ein ungewöhnliches Format angeboten: Die Auseinandersetzung mit der Sprache erfolgte in Symbiose mit schauspielerischer Improvisation, was es ihnen ermöglichte, mit dem Vokabular in verschiedenen Kontexten zu arbeiten und eine angenehme Atmosphäre zu schaffen“, teilte Klubsleiter Stanislaw Leschin mit.

Das Projekt führte dann nach Sibirien, nach Tomsk, einer Stadt mit traditioneller Holzarchitektur. In den Mauern dieses filigranen Gebäudes – dem Deutsch-Russischen Regionalhauses Tomsk – fand das JdR-Labor statt. Die behagliche Atmosphäre förderte die Auseinandersetzung mit dem sensiblen Thema des Projekts: der historischen und persönlichen Identität der Russlanddeutschen. Anhand der Geschichte ihrer Vorfahren suchten die Teilnehmenden nach einem besseren Verständnis ihrer selbst; es war eine wahre Reise in ihr Innerstes. Neben dem genealogischen Suchalgorithmus lernten die Aktivistinnen und Aktivisten, wie Familienmuster die Persönlichkeits- und Identitätsbildung beeinflussen.
Olga Bondarenko-Schurits öffnete den Teilnehmern die Tür zur Welt der Genealogie und unterstützte sie beim Erstellen ihrer Stammbäume: „Das Treffen war abwechslungsreich gestaltet: Diskussionen wurden mit praktischen Übungen kombiniert. Im Genealogie-Teil erlebten einige Teilnehmer eine Offenbarung. So entdeckte beispielsweise eine Teilnehmerin, die keine deutschen Wurzeln hatte, dass sie doch welche besaß. Sie hatte nichts davon gewusst.“
Walentina Afanasjewa, Vorsitzende des Jugendklubs „Immerjung“ und Organisatorin vor Ort, erklärt: „Das JdRßLabor ist eine einzigartige Gelegenheit, durch die eigene Familiengeschichte etwas über sich selbst zu erfahren, Unterstützungspunkte zu finden und sich mit anderen auszutauschen, die dies ebenfalls schätzen.“

Am selben Tag wie in Tomsk – am 11. und 12. April – fand das Labor auch in der Republik Chakassien statt.
In Abakan hatten Aktivisten die Möglichkeit, an einem vielseitigen Projekt teilzunehmen, das drei wichtige Aspekte vereinte: „Identität, Führung und Kommunikation“. Zwei Tage lang setzten sich die Teilnehmenden mit dem Konzept der Identität – einer der Grundlagen psychischen Wohlbefindens – auseinander und berührten das Thema „Ethnische Identität“. Das Modul „Führung“ ermöglichte es den Aktivisten, Fragen wie „Ist es mir wichtig, eine Führungskraft zu sein?“, „Was ist Führung?“ und „Welche Führungskräfte inspirieren mich?“ zu beantworten. Der Block „Kommunikation“ trug als universelles Element zur Entwicklung ihrer Kompetenzen in diesem Bereich bei.
Die Referentin Wiktoria Wagner berichtet: „Die Bewältigung moderner Kommunikationsherausforderungen, die Auseinandersetzung mit der eigenen ethnischen Identität und die Öffnung des Weges zur Selbsterkenntnis – all das stand im Mittelpunkt unserer zwei Tage mit den Jugendlichen von Abakan. Nach dem Treffen hatte ich deutlich das Gefühl, dass jeder Aktivist wertvolle Erkenntnisse über sich selbst gewonnen und einen Schritt in Richtung etwas sehr Wichtigem getan hat.“
Im Klub für Freunde der deutschen Sprache diskutierte man auch das Thema Identität, und Olga Lopatina, die Moderatorin der Treffen, berichtet: „Die Teilnehmer waren dialogbereit und teilten persönliche Geschichten: Einige waren stolz auf ihre Wurzeln, andere äußerten den Wunsch, mehr über ihre Kultur zu erfahren. Der Deutschklub zum Thema Identität wurde mehr als nur ein Treffen auf Deutsch, sondern ein echter Raum für den Austausch von Gedanken und Gefühlen.“

Die letzte Projektphase in Tjumen am 25. und 26. April markierte den Abschluss der Präsenztreffen. Zwei Tage lang befassten sich Aktivisten gemeinsam mit dem Referenten Alexej Buller intensiv mit der Struktur der russlanddeutschen Identität. Im Workshop erarbeiteten die Teilnehmenden, wie sie selbst als Gestalteren ihrer sozialen Identität agieren können, indem sie diese aus kultureller und historischer Perspektive untersuchten. Das Projektteam führte die Teilnehmenden in die Geschichte, die Traditionen und die Sprache der Russlanddeutschen ein, während die Aktivisten die Lebensweise ihrer Vorfahren erforschten und Familiengeschichten austauschten.
„Ich möchte mich bei den Organisatoren des Projekts „JdR-Labor 2026“ bedanken, das sich der Kultur und Geschichte der Russlanddeutschen widmet. Es war ein faszinierendes Wochenende voller neuer Erkenntnisse über die Geschichte meiner Vorfahren. Im Deutschklub konnte ich viele neue Vokabeln lernen – Namen traditioneller russlanddeutscher Gerichte, Zutaten und Handwerksgeräte. Am meisten genoss ich aber die lebhafte Atmosphäre und den regen Austausch. Die Organisatoren haben die Teilnehmer zusammengebracht und eine sehr angenehme Stimmung geschaffen“, berichtete Projektteilnehmerin Anastasia Bertram.
Das JdR-Labor besuchte alle fünf Städte, aber das Projektteam gab sich damit nicht zufrieden und bereitete eine ebenso ansprechende wie nützliche Online-Veranstaltung für alle vor – einen Workshop zum Thema „Öffentliches Reden“ für Aktivisten und Jugendklubleiter.
Gemeinsam mit dem Moderator des Blocks, Denis Walter, analysierten die Teilnehmer die Struktur einer Präsentation und die „Aufhänger“, die die Aufmerksamkeit fesseln, arbeiteten an ihrer Stimme und Atmung, diskutierten Methoden zum Umgang mit Angstzuständen und lernten viele praktische Lifehacks, die sie sofort ausprobieren können.
„Das Thema war unglaublich interessant für mich. Man möchte ja schließlich immer noch souveräner und professioneller wirken. Ich habe bereits etwas Erfahrung in diesem Bereich, da ich einen Kurs für öffentliches Reden in Nowosibirsk besucht habe, und im Training habe ich von Denis außerdem einige tolle Tipps und Tricks gelernt. Ein besonderer Dank gilt auch dem Publikum – es war aktiv, locker und angenehm!“, teilte Wictoria Wagner ihre Eindrücke mit.
Die von den Teilnehmern des JdR-Labors gewonnenen Informationen und Erfahrungen werden ihnen sicherlich bei ihrer Arbeit in Jugendklubs und -organisationen und auch für die weitere Entwicklung der russlanddeutschen Bewegung in den Regionen von Nutzen sein.
Margarita Girshfeld

