Junge Profis – Russlanddeutsche: Eine Reise zur Identität und zu neuen Möglichkeiten

Vom 11 bis 14 Dezember fand die vierte Akademie „Junge Profis – Russlanddeutsche“ statt. Jekaterinburg wurde zum Anziehungspunkt für junge Spezialistinnen und Spezialisten aus dem ganzen Land und aus verschiedenen Berufsfeldern: Schauspieler, Drehbuchautoren, Psychologen, Anästhesisten und Intensivmediziner, Gerichtsmediziner, Deutschlehrer, Innenarchitekten u. a. Die Akademie wurde zu einer Plattform für ein tiefes Eintauchen in die ethnische Identität und für die Entwicklung wichtiger Schlüsselkompetenzen.

Die Akademie begann mit einer feierlichen Eröffnung. Die Teilnehmer wurden von der Direktorin des Kultur- und Geschäftszentrums Marina Dmitriewna Bytschkowa und der Vorsitzenden des Jugendrings der Russlanddeutschen Nelli Artes begrüßt. Auch die Managerin für Jugend- und Spracharbeit des Kultur- und Geschäftszentrums der Russlanddeutschen, Julia Tschernych, die Projektmanagerin Wiktoria Wagner und die Programmdirektorin Weronika Metzler hießen die Gäste willkommen und gaben den Ton für die kommenden Tage vor. Die Teilnehmer erfuhren außerdem mehr über den Jugendring der Russlanddeutschen, seine Ziele, Arbeit und Projekte.

„Diese Akademie war etwas Besonderes: Zum ersten Mal fand sie getrennt vom Forum der deutschen Jugendlichen Russlands statt, in einem exklusiven Kreis von 20 Personen. Dieses Format ermöglichte es den Teilnehmern, einander näherzukommen, persönliche Geschichten offen zu teilen, die eigenen familiären Wurzeln intensiv zu diskutieren und starke, verbindende Gemeinsamkeiten zu entdecken. Die Atmosphäre der Offenheit, Empathie und Herzlichkeit wurde von allen Anwesenden sehr geschätzt“, berichtet Weronika Metzler.

Im Rahmen des Programms wurden vielfältige Blöcke angeboten, die den Teilnehmern die Möglichkeit gaben, Neues und für ihre persönliche sowie berufliche Entwicklung Wichtiges zu erfahren.

Während des Blocks zum Thema Identität mit Olga Bondarenko-Schuriz teilten junge Profis ihre Familiengeschichten und diskutierten die Rolle der ethnischen Zugehörigkeit in der modernen Welt. Inwieweit bestimmt die Kenntnis einer Sprache die ethnische Zugehörigkeit? Kann man sich einer ethnischen Gruppe zugehörig fühlen, ohne die Sprache der Vorfahren zu sprechen? Und schließlich: Kann man seine ethnische Identität wählen, ohne seine Wurzeln zu kennen? Die Teilnehmer erforschten Mechanismen zur Bewahrung des kulturellen Erbes und den Einfluss der Herkunft auf die persönliche Entwicklung.

„Das Besondere an dieser Gruppe war ihre geistige Reife. Wir gingen noch einen Schritt weiter und beschäftigten uns eingehend mit dem Thema Identität. Wir erforschten die menschliche Persönlichkeit aus verschiedenen Perspektiven – nicht nur die ethnische Identität, sondern auch die Entwicklung eines Menschen innerhalb seiner Familie und wie Kultur und Geschichte seinen Charakter prägen. Dies weckte bei den Teilnehmern ein besonderes Interesse an Familiengeschichte. Es gab sogar den Wunsch nach einemBlock zum Thema Genealogie“, berichtete Olga Bondarenko-Schuriz.

Jurij Dementjew, St. Petersburg: „Ich bin begeistert! Ich habe ein Interesse an meinen deutschen Wurzeln entwickelt und werde mich bemühen, meinen Stammbaum selbstständig zu erforschen, einschließlich all meiner Breiner und Dahlinger. Auch mein Interesse an die deutsche Sprache ist (wieder) geweckt, und ich werde versuchen, es zu pflegen.“

Kirill Felk, Nowosibirsk: „Mir gefiel der Gedanke, dass die Anerkennung einer Identität nicht zwangsläufig bedeutet, eine andere aufzugeben. Für mich, mit deutschen, russischen und wer weiß, welchen anderen Vorfahren, ist das besonders wertvoll. Auch die Idee von DNA-Tests fand ich faszinierend. Ich hatte zwar schon einmal darüber nachgedacht, aber nur kurz.“

Die Teilnehmer waren vom Thema Genealogie so begeistert, dass der Online-Block im Anschluss an die Akademie diesem Thema gewidmet war.

Der von Referentin Alena Pfetzer geleitete Block zum Thema „Kommunikation“ konzentrierte sich auf die umfassende Entwicklung von Soft Skills: Netzwerken, Teambildung und ausgeprägte Selbstwahrnehmung. Hier lernten alle Teilnehmer, sich selbst eingehend zu analysieren, die Frage „Wer bin ich?“ zu beantworten, ihre Stärken und Schwächen zu erkennen, effektive Kommunikationsstrategien zu entwickeln, persönliche Ziele zu definieren und produktive Interaktionstechniken zu beherrschen.

„Als wir uns gegenseitig die vorbereiteten Fragen stellten, wurde uns einmal mehr bewusst, wie mechanisch unser Leben ist und wie wichtig es ist, mehr Gefühl in unsere Gespräche einzubringen. Wir müssen jedes Wort unseres Gesprächspartners spüren und auch aus dem Herzen sprechen. Dann gelingt die Kommunikation am besten, und genau hier beginnt die Arbeit, das Besondere im anderen zu entdecken und uns gegenseitig zu helfen“, kommentierte Margarita Kriger aus Nowosibirsk eine der Aufgaben.

Am dritten Projekttag fand eine Moderationstreffen statt. Die Organisatorinnen Weronika Metzler, Wiktoria Wagner, Olga Bondarenko-Schuriz und Nelli Artes berichteten von ihren persönlichen Erfahrungen mit der Weiterentwicklung dank JdR. Anschließend konnte jeder Teilnehmer Ideen für seine eigene Entwicklung innerhalb der Organisation einbringen.

Andrej Odenbach aus Orenburg bemerkte:

„Vor dem Projekt wusste ich wenig über die Organisation und ihre Aktivitäten. Mein Ziel war es, Erfahrungen zu sammeln und vielleicht neue Wege für meine Weiterentwicklung zu finden. Nach diesen Tagen bin ich von meinen Zielen und meinem weiteren Vorgehen überzeugt. Ich hatte nicht erwartet, dass die Aktivitäten vom JdR so umfangreich sind und die Organisation landesweit aktiv ist. Sie hilft Menschen auch dabei, ihre Identität zu finden, da viele Russlanddeutschen leben, ohne überhaupt von der Existenz einer solchen Bewegung zu wissen.“

Traditionell gehören zu jedem Projekt die Treffen vom Klub für Freunde der deutschen Sprache, und auch die Akademie machte da keine Ausnahme. Da das Projekt kurz vor Weihnachten stattfand, organisierte die Referentin Elisaveta Selinskaja ein Programm, in dem die Teilnehmer nicht nur ihr Deutsch übten, sondern auch in russlanddeutsche Weihnachtstraditionen eintauchten und sich vorstellten. Interaktive Spiele und persönliche Geschichten trugen maßgeblich dazu bei, dass sich die Teilnehmer schnell kennenlernten und aktiv Erfahrungen austauschten.

Anastasia Sirotkina, Kaliningrad: „Die Teilnahme an der Akademie war für mich eines der Highlights des vergangenen Jahres. Es war eine wunderbare Gelegenheit, in eine inspirierende Atmosphäre voller Kreativität, Entdeckungen und neuer Ideen einzutauchen. Ich hatte das große Glück, so viele begeisterte und vielseitige Teilnehmer kennenzulernen, deren Erfahrung und Wissen wirklich unschätzbar wertvoll waren. Mein besonderer Dank gilt unseren Referenten für ihre anregenden und inspirierenden Blöcke. Die Treffen vom Klub für Freunde der deutschen Sprache versetzten uns in Weihnachtsstimmung: Wir erinnerten uns an russlanddeutsche Weihnachtstraditionen, testeten unser Wissen über Weihnachtslieder in einem Quiz und lernten die Geschichte traditioneller Weihnachtsgerichte kennen. Insgesamt hat mich das Projekt zu neuen beruflichen Erfolgen inspiriert und mir gezeigt, wie wichtig es ist, an sich selbst zu glauben und nach neuen Zielen zu streben.“

Neben dem intensiven Ausbildungsprogramm gab es auch Zeit für informellen Austausch zwischen den Blöcken, darunter ethnische Pausen mit Tanz, Gesang und interaktiven Sketchen zur russlanddeutschen Kultur.

Bei der Abendveranstaltung „Vom Profi zum Profi“ tauschten die Teilnehmenden ihre beruflichen Erfolge und Misserfolge aus und schufen so eine Atmosphäre der Offenheit und gegenseitigen Unterstützung. Ein Weihnachtsquiz bot zudem eine hervorragende Gelegenheit, die Deutschkenntnisse und das Wissen über russlanddeutsche Traditionen zu testen.

Am Ende des Projekts, einen Tag vor ihrer Abreise, begaben sich die Teilnehmer auf eine faszinierende Stadterkundung unter der Leitung von Julia Tschernych, Leiterin der Jugend- und Spracharbeit im Kultur- und Geschäftszentrum in Jekaterinburg. Sie tauchten in die Geschichte und Kultur Jekaterinburgs ein und erkundeten Orte, die mit dem Leben bedeutender Deutscher und ihrem Beitrag zur Entwicklung einer der größten Regionen Russlands verbunden sind. Die Erkundungstour führte die Teilnehmer auch zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt.

Die Atmosphäre und Bedeutung der Akademie lassen sich am besten mit den Worten der Teilnehmer selbst beschreiben:

Anna Dsjuba, Nowosibirsk: „Die Akademie ist eine wunderbare Möglichkeit, neue Kraft zu tanken, die eigenen beruflichen Fähigkeiten zu überdenken und neue Ideen zu entdecken und Inspiration für deren Umsetzung zu finden! Alle Programmblöcke waren sehr gut strukturiert und regten zum Nachdenken über vieles an: die eigenen Wurzeln und die Bedeutung des Erhalts und der Pflege von Familientraditionen. Schließlich prägen sie uns als Individuen. Früher dachte ich, meine Berufswahl sei zufällig, aber jetzt verstehe ich: Vielleicht hat sie mit meinem tiefsten Inneren harmoniert. Ich merke, dass ich auf meinem Weg bin und alles richtig mache. Ich werde weiterhin mit Freude Deutsch unterrichten, damit meine Schüler Deutsch mit Freude und Begeisterung lernen. Ich freue mich darauf, die Feiertage mit meiner Familie zu verbringen, über ihre Geschichte zu sprechen und natürlich unsere lieben und wichtigen Traditionen fortzuführen.“

Igor Nudel aus Archangelsk hob einige besonders einprägsame Momente hervor: „Zunächst die Begegnung mit wunderbaren, sehr freundlichen und intelligenten Menschen. Zweitens natürlich die Blöcke zur Identitätsbildung, die uns dazu anregten, viele Aspekte von Familie und Selbstwahrnehmung neu zu überdenken. Drittens waren die Themen Selbstverwirklichung und Zielsetzung wirklich wunderbar und relevant. Und natürlich die Organisatoren, deren Engagement und Aufmerksamkeit eine unglaublich herzliche Atmosphäre der Zusammengehörigkeit und des Gefühls einer großen Familie schufen.“

Bei der Abschlussveranstaltung fassten die jungen Profis nicht nur ihre Erfolge zusammen, sondern diskutierten auch neue Ideen für die Weiterentwicklung des Jugendrings der Russlanddeutschen und gaben sich gegenseitig wertvolles Feedback. Ein geheimer Weihnachtsmann beschenkte die Teilnehmer und stärkte so das Zusammengehörigkeitsgefühl. Inspiriert und voller neuer Pläne reisten sie mit einem tiefen Verständnis für ihr zukünftiges Handeln ab und nahmen neben Wissen auch einen starken Impuls für Lebensfreude und Kreativität mit.

Wir wünschen diesen jungen Profis viel Erfolg bei all ihren Vorhaben. Bis bald! Fröhliche Weihnachten!

Natalia Frank

Foto: Marina Kowita

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